Hochsensibilität: Was ist das?

Obwohl das Phänomen Hochsensibilität schon seit Jahrzenten existiert und daran geforscht wird, etabliert es sich nun immer mehr und wird, zur Zeit regelrecht als Boom, der Allgemeinheit zugänglich. Das Internet ist voll von Stimmen darüber, angefangen von Tests und  Tipps, über unterschiedliche Variationen und Ausprägungen, bis hin zu kompetent analysierten Fachartikeln. 

 

Doch was steckt hinter dem Wort Hochsensibilität?

 

Hierzu möchte ich Experiment des russischen Physiologen Iwan Pawlow anbringen, welches  die Hintergründe am anschaulichsten widerspiegelt. Er setzte eine Personengruppe extremen Lärm aus. Nach kurzer Zeit reagierte ein Teil von 15 – 20 % mit ersten Reaktionen. Sie hielten sich die Ohren zu, konnten den Lärm nicht mehr ertragen und wurden schließlich bewusstlos. Im weiteren Verlauf passierte  eine ganze Zeit gar nichts, bis schließlich die restliche Personengruppe,  also 80-85 %, auf dieselbe Weise reagierte. Es ergibt sich also eine Kurve, an der ersichtlich wird, dass ein geringer Prozentsatz der Menschen eine signifikant niedrigere Reizschwelle hat, als der Rest. Im Tierreich ergibt sich nach neueren Forschungen überraschender Weise ein ähnliches Bild.

 

Heruntergebrochen kann man sagen, dass ein Hochsensibler einen durchlässigeren Wahrnehmungsfilter hat, als ein Normalsensibler.  Er nimmt Sinnesreize von aussen (und von innen) stärker und intensiver wahr.

 

Was ist der Sinn des Ganzen?

 

Die Intelligenz der Natur hat nichts dem Zufall überlassen. Hinter der Hochsensibilität steckt ein biologischer Sinn. Um ein Überleben der Population zu sichern, ist ein gewisser Anteil, der als „Frühwarnsystem“ fungiert, notwendig. Die Sinneskanäle Hören, Sehen, Riechen, Schmecken, Fühlen, und meist auch der 6. Sinn sind weiter offen, um Gefahren frühzeitig zu erkennen und den Rest zu warnen.

 

Was ziemlich clever und sinnig ist, ist für viele Hochsensible in der moderen Gesellschaft ein Problem, in der sie sich oft als Sonderling und irgendwie nicht passend und verstanden fühlen. Doch es braucht diese Menschen, gerade jetzt in dieser Zeit. Wenn Hochsensible ihr "Anderssein" vollständig annehmen, ihren Wahrnehmungen vertrauen und ihre Fähigkeiten als Stärke und Ressource nutzen, können sie selbst nicht nur glücklich leben, sondern auch andere damit bereichern und auch das gesamtgesellschaftliche System positiv verändern.

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